Exquisites Design mit Sinn für die Ewigkeit: Die schönsten Hotels in Rom
June 28, 2008 - Europa, Städtetrip, Kulturreisen, Wärmere Regionen
Von Gesa Noormann
Nirgends ist die Vergangenheit so lebendig wie in der ewigen Stadt: jeder Stein, jede Mauer, jeder Platz atmet Geschichte. Auf Schritt und Tritt spürt man das Erbe des Jahrtausende alten Imperiums. Über 365 Kirchen inklusive des gigantischen Petersdoms hat die Stadt, und nirgends auf der Welt sieht man mehr Nonnen und Priester durch die Gassen eilen. Auch an eher weltlichen Bauten ist die Stadt reich: die Fontana di Trevi, die Spanische Treppe oder die Piazza Navona sind einzigartige Geniestreiche berühmter Architekten wie Bernini oder Francesco de Sanctis. Über allem liegt ein Hauch südlicher Lebensfreude und der unbändigen Lust am Genießen. Rom ist so schön, dass es einem mitunter die Sprache verschlägt und man sich ganz in die Magie dieser Stadt fallen lässt.
Ein Besuch Roms im Frühling birgt die Chance, die ganze Stadt blühen zu sehen und bereits milde, fast schon sommerliche Temperaturen zu genießen. Bevor die gleißende Hitze sich ab Juli über die Stadt legt, ist das richtige Wetter für ausgiebige Spaziergänge und Besichtungen. Das historische Zentrum lässt sich relativ schnell zu Fuss erlaufen – wer das richtige Schuhwerk vergessen hat, kann sich ein Paar Superga und goldene Sneakers zulegen. Oder richtig schicke High Heels von Ferragamo oder Pollini, denn Rom ist ein wahres Eldorado für Schuhliebhaber. Sonnenbrillen sollte man nur in Italien kaufen, denn hier würde man lieber einen verbeulten alten Fiat fahren als sich mit dem Modell vom letzten Jahr auf die Straße zu wagen – mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit kommt die neue Brille von der Via Condotti wenn überhaupt erst nächstes Jahr in die deutschen Läden.
Nach dem Einkaufsbummel gönnt man sich ein Eis bei Giolitti – mein Favorit ist Marrons glacés, nicht schlecht sind auch Zabaoine oder die genialen Fruchtsorten, allen voran visciola (Sauerkirsche). Gleich um die Ecke ist Gino, eine Trattoria, die alles andere als lifestylig eingerichtet ist, dafür aber umso besseres Essen hat. Mit Wein, Pasta und Salat ist man mit 30 Euro dabei – für römische Verhältnisse quasi geschenkt. Sonntag morgen ist der Flohmarkt an der Porta Portese in Trastevere der place to be: hier gibt es alles, von der CD-Raubkopie über billige Fummel bis zur Pseudo-Antiquität. Sämtliche Migranten versammeln sich hier und verkaufen die unvermeidlichen Gucci-Prada-Fakes, die sonst allabendlich auf hastig ausgebreiteten Decken im Stadtzentrum angeboten werden. Um 14 Uhr ist das Spektakel vorbei und es bietet sich eine pizza a taglio, also auf die Faust, in den Gassen von Trastevere an. Blick auf den Tiber, Patriziervillen, Frühling in der Luft, kurz: das perfekte Glück.
Das 5 Sterne de Luxe Hotel Lord Byron liegt über der Villa Borghese auf dem Parioli-Hügel. In nur zehn Minuten durchquert man den wunderschönen Park und erreicht das historische Zentrum von Rom bequem zu Fuß.
Konsequent im Art Déco-Stil eingerichtet, besticht das Lord Byron durch eine sehr elegante, distinguierte Atmosphäre. Die Badewannen sind aus einem großen Marmorblock gemeißelt und strahlen wie die ausgesuchten antiken Möbel, Spiegel und Accessoires den Glamour der zwanziger Jahre aus. Man wähnt sich fast im Orient Express, wenn livrierte Kellner beim geringsten Frösteln im Frühstücksraum entschuldigend fragen, ob die Heizung höher gedreht werden soll. Wohlig fühlt man sich in die Zeit versetzt, als Reisen noch der Luxus weniger Wohlbetuchter war: ein wunderbares Gefühl.
Ganz anders ist es im B&B Daphne Inn mitten im Zentrum von Rom. In beiden Standorten, dem Daphne Veneto und dem Daphne Trevi, fühlt man sich wie zu Hause. Schließlich handelt es sich auch um ehemalige Appartments, die zu komfortablen Hotelzimmern umgebaut wurden. Modernes Design, viel Komfort (Laptop mit Internet für alle, Teekocher und Kühlschrank) und eine persönliche Atmosphäre sorgen für einen authetischen Rom-Aufenthalt. Auf Fernseher hat die amerikanische Besitzerin bewusst verzichtet, stattdessen gibt es jede Menge gute Tips: Elyssa Bernhard kennt die Stadt wie ihre Westentasche und geht zudem gerne aus: sie hat alle ultimativen Restauranttipps, die besten Shopping-Adressen und sogar die Öffnungszeiten der Museen parat. Da kommt selbst der beste Concierge nicht mit!
Gleich um die Ecke an der Piazza Barberini liegt das Bernini Bristol, ein klassisches Luxushotel mit spektakulärem Pool auf dem Dach. Die passenden Suiten dazu sind frisch designt und haben den schönsten Blick auf die Stadt. Mediterane Farben, edle Möbel und exzellenter Service kennzeichnen das Haus, das gerne von Diplomaten und Politikern frequentiert wird. Das Restaurant mit traumhafter Terrasse bietet gehobene italienische Küche – der Küchenchef ist Napoletaner, und die konnten schon immer hervorragend kochen.
Der Name des Hotels lässt kaum erahnen, was für ein Juwel sich dahinter verbirgt: Der ehemalige Wohnsitz von Jean Paul Getty ist komplett mit Antiquitäten aus dem 17. Jahrhundert ausgestattet und verfügt über nur 19 individuell ausgestattete Zimmer und Suiten. Heller Stein und hohe Decken geben dem imposanten Gebäude einen luftigen Charme, und durch die vielen großen Fenster sieht man entweder das Mittelmeer oder einen perfekt angelegten italienischen Garten.
Die Posta Vecchia strahlt eine luxuriöse Gelassenheit aus, die man sonst kaum finden wird. Innerhalb von Sekunden ist die Außenwelt vergessen und alles scheint in diesem exquisiten Traum von Farben und Licht zu verschwimmen. Ein Besuch im Restaurant Il Cesare ist mehr als lohnend: der kürzlich vom Guide Michelin besternte Küchenchef Michele Goia überrascht mit unerwarteteten Kombinationen (z.B. Artischocken Panna Cotta) und unbekannten Aromen aus dem hoteleigenen Kräutergarten.
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